Seit Jahrzehnten nutze ich Erlen, insbesondere Schwarzerlen, zur Unterstützung der Humusbildung.
Erlen haben die Eigenschaft, in Symbiose mit Bakterien an ihren Wurzeln (Wurzelknöllchen) Luftstickstoff aus dem Boden aufzunehmen, daraus „Flüssigdünger“ zu machen und den Boden damit zu düngen. Die jährlich fallenden Blätter der Erle haben ein fürs Verrotten günstiges Kohlenstoff/Stickstoff Verhältnis (C/N). Durch die Erlenwurzeln kann Luft nach unten befördert werden. Deshalb können Erlen auch direkt am Ufer von Wasserläufen stehen. Sie können mit dieser Eigenschaft aber auch verdichteten Boden durchlüften. Die Wurzeln und Triebe der Erle bestehen aus Weichholz und verrotten daher leicht. Erlen werden auch als „Steinfresser“ bezeichnet weil sie durch ihre eigene Düngerversorgung auf Schotterhalden wachsen können und weil ihre Wurzeln sehr tief wachsen und dort durch intensive biogene Verwitterung Mineralien frei setzen, nach oben bringen und durch Blattfall und Rottevorgang dem oberflächlichen Humus zutragen. Die Schwarzerle hat besonders tief gehendes Wurzelwerk, steht gerne am Ufer von Wasserläufen und kann dennoch auch auf trockenem Boden gedeihen, da sie sehr trockenheitstolerant ist.
Diese humusbildenden Pionier-Eigenschaften der Erlen nutze ich in dem ich sie in dichtem Abstand zwischen und neben den langfristig gewünschten Nutzbäumen pflanze. Auf einen ganzen Hektar kann man durchaus 10.000 Schwarzerlen pflanzen, wenn man denn flächendeckend den Boden verbessern will. Ich bin bisher eher im Bereich von 1000 bis 1500 Erlen pro Hektar weil ich nicht nur Erlen pflanze und daher nur in ausgewählten Bereichen gezielt den Humus aufbaue.
Neben selbst gepflanzten Esskastanien und Kornelkirschen hatte ich vor ein paar Jahren in rund 1 Meter Abstand Erlen gepflanzt. Dabei habe ich auch mal die italienische Erle ausprobiert, wobei ich aktuell bei Neupflanzungen nur noch die Schwarzerle nehme, weil diese im Erdreich die tiefere Wurzeldurchdringung hat.
Nun ist es Ende Mai. In der vergangene Woche gab es viel Sonne und nun soll Regen kommen. Das ist ein passender Moment um die Service-Erlen abzusägen damit die Esskastanien mehr Platz, mehr Licht und besseren Boden bekommen. In dem ich heute viele Erlen abgesägt habe, beginnen große Teile des Wurzelsystems der Erlen abzusterben und dabei den bisher gebundenen Stichstoff freizusetzen. Dieser wiederum kommt jetzt den Esskastanien zu gute, genau in der Zeit des Jahres, in der sie so richtig kräftig durchwachsen wollen. Im Herbst sollte man keine Service-Erlen neben Nutzbäumen fällen, weil zu der Zeit die Nutzbäume mit dem frei werdenden Stickstoff nicht viel anfangen können.
Hier ein Bild einer Esskastanie, noch mit zwei Erlen, links und rechts:

und nun das Bild vom selben Standort, nach dem Umsägen der Erlen:

Genau so bin ich bei den Kornelkirschen verfahren, die vorher schon sehr dicht von Erlen überwuchert waren:

Jetzt, nach dem Schnitt, erkennt man erst so richtig, daß das noch was zwischen den Erlen stand…

(An den Bambusstäben wachsen Robinien, die noch ein paar Jahre wachsen sollen, bis auch sie gefällt werden)